QR-Code ins nichts

QR-Code

Seit längerer Zeit halte ich wieder ein Druckexemplar der Fachzeitschrift “Die Schwester/Der Pfleger” in den Händen. Die mit 50.000 Exemplaren auflagenstärkste Zeitung im Pflegebereich hat traditionell einen großen Stellenmarkt. Hier fiel mein Augenmerk vor allem auf die Stellenanzeigen mit einem QR-Code.

Die Stellenanzeige wurde ja überhaupt schon häufiger für tot erklärt. Tatsächlich hat das erfolgreiche us-amerikanische Unternehmen Zappos im Mai angekündigt, bei der Kandidatensuche nicht mehr auf Stellenausschreibungen, sondern auf einen langristigen Prozess des Beziehungsaufbaus zu setzen. Doch führt momentan eigentlich kein Weg an Stellenanzeigen vorbei, ob nun Online, Print oder auf der Unternehmens-Website. Aktuelle Zahlen dazu liefert die Studie Recruiting Trends 2014 von Monster. 2013 generierten die befragten deutschen Unternehmen 36,2% der Einstellungen über Internet-Stellenbörsen, 34,1% über die Unternehmens-Website und 6,5% über Printmedien. In der Health Care Branche ist der Anteil der Einstellungen über Printmedien mit 13,9% interessanterweise doppelt so hoch.

Anteil verschiedener Recruiting-Kanäle an den generierten Einstellungen von Unternehmen der Health Care Brancheim Jahr 2013

Quelle der Daten: Recruiting Trends 2014, Monster Worldwide Deutschland GmbH, eigene Darstellung

Das der Print-Stellenmarkt allerdings immer mehr Marktanteile verliert, ist am eindrücklichsten bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu beobachten. Marcus Reif, HRler und Recruiter bei Ernst & Young, dokumentiert seit 2010 die “Erosion” des Stellenmarktes in der FAZ auf mittlerweile 4,92 Seiten im 1. Halbjahr 2014. Zum Vergleich: im April 2001 kam die FAZ mit 280 Seiten Stellenanzeigen an die produktionstechnischen Grenzen.

Wie sieht es denn bei der “Die Schwester/Der Pfleger” aus? Exemplarisch habe ich hier die August-Ausgaben der letzten acht Jahre in die Hand genommen. Deutlich erkennbar ist dabei ein Bruch zwischen 2011 und 2012. Seitdem erscheinen im August rund 40 Anzeigen weniger pro Jahr und pendeln sich bei rund 100 Inseraten ein. Bei Gelegenheit mache ich vielleicht noch einmal eine Gesamtanalyse, um den Jahrestrend aufzuzeigen.

Anzahl der Stellenanzeigen in der Augustausgabe der Fachzeitschrift "Die Schwester/Der Pfleger" 2007-2014

Quelle: Augustausgaben der Fachzeitung “Die Schwester/Der Pfleger” 2007-2014, eigene Auswertung

Auch hier also ein deutliche Reduktion, obwohl die Nachfrage im Gesundheitswesen deutlich steigt. Doch das im Bereich Health Care Print-Anzeigen noch erfolgreich zu sein scheinen, zeigen ja unter anderem die Ergebnisse der Recruitings Trends 2014. Auch im aktuellen Medialeistungstest von Westpress, den die Teilnehmer des Klassentreffens der Innovatoren im Juni 2014 schon mitnehmen durften, wird der Print-Stellenanzeige für latent Suchende durchaus noch eine Relevanz nachgewiesen.

Eine Studie von Prof. Dr. Holger Buxel, Fachhochschule Münster, zum Jobwahlverhalten von Pflegepersonal in Krankenhäusern (S.88/89) aus dem Jahre 2011 hat ermittelt, dass die Gesamtheit der Befragten, die nicht einen Teil ihrer fachpraktischen Ausbildung beim jetzigen Arbeitgeber absolvierten, am häufigsten die Initiativbewerbung (68,2%) und die regionale Tageszeitung (32,9%) zur Stellensuche nutzten. Bei den Befragten, die in den letzten fünf Jahren nach einem neuen Arbeitgeber gesucht haben, stieg insbesondere die Suche auf den Krankenhauswebseiten (von 30% auf 65,4%) und auf Jobbörsen im Internet (von 25,1% auf 50,5%) um das Doppelte. Die Suche in regionalen Tageszeitungen stieg um 15% (von 32,9% auf 47,8%). Auch die Recherche in überregionalen Tageszeitungen und in Fachzeitschriften wird noch häufiger (19,4% bzw. 20,6%) genannt. Alles in allem hat Print hier noch einen relevanten Anteil.

QR-Code ins nichtsUnbestritten ist trotzdem das Optimierungspotenzial von Stellenanzeigen, egal ob Online oder Print. Für die richtige Gestaltung von Online-Stellenanzeigen gibt es zum Beispiel gute Hinweise in der Eyetracking-Studie von Jobware, deren Ergebnisse Henner Knabenreich in seinem Blog sehr schön aufgearbeitet hat. Auch für Printanzeigen werden viele Seminare zur Optimierung angeboten. Und da wir heute alle mobil unterwegs sind, darf hier natürlich ein QR-Code nicht fehlen, oder?

Die Vorteile von Mobile Recruiting mit QR-Codes beschreibt die Agentur Wollmilchsau schon 2010 in einem Blogartikel:

  • Vergrößerte Reichweite
  • Einfach in der Handhabung
  • Vernetzung von Print und Online
  • Rückkanal für sofortige Kommunikation
  • Erlaubt Integration in Soziale Netzwerke
  • u.a.

Tatsächlich ist der QR-Code gerade unterwegs eine gute Gelegenheit interessante Angebote zur Erinnerung abzuspeichern oder sich direkt mobil über eine Stelle zu informieren. Grundvoraussetzung dafür sollte sein, dass hinter dem QR-Code eine für das Smartphone optimierte Landingpage hinterlegt ist. Sonst wird das mobile Erlebnis schnell zum frustrierenden Scrollen und Zoomen.

Da sich die Barcodescanner auf dem Smartphone befinden, ist eine für mobile Endgeräte optimierte Website Pflicht

In der Augustausgabe 2014 der “Die Schwester/Der Pfleger” befinden sich insgesamt 102 Stellenanzeigen, davon sind elf mit einem QR-Code abgebildet. Das ernüchternde Ergebnis meiner Kurzanalyse:

  • neun QR-Codes führen auf eine nicht mobil optimierte Seite
  • ein Code führt ins nichts
  • immerhin ein QR-Code in der Anzeige des Marienkrankenhaus Hamburg gefällt gut, weil der Link direkt auf das Video-Portrait des gesuchten Berufs (Intensivpflege) auf YouTube verweist

Zudem ist übrigens auch die Unternehmens-Website mobil aufrufbar. Ein zusätzlicher Pluspunkt. Ach ja, auch der Bibliomed-Verlag verwendet in der August-Ausgabe einen QR-Code zur Abonnementwerbung. Richtig, der Weg führt geradewegs auf eine nicht mobil taugliche Seite. 😉

Die mobile Optimierung der Karriereseiten ist sicherlich ein zentrales Thema schon jetzt und in den nächsten Jahren. Ob sich dann aber auch die mobile Bewerbung durchsetzten wird, steht auf einem anderen Blatt.

Würdet ihr euch mobil bewerben?

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